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Wir wollen im Berliner Bezirk Pankow einen pädagogisch betreuten Spielplatz mit dem thematischen Ansatzpunkt Geschichte der Eisenzeit / Frühmittelalter gründen. Ausgehend von den Erfahrungen mit dem Zeitenjägerprojekt des Abenteuerlichen Bauspielplatzes KOLLE 37 im Stadtteil Prenzlauer Berg, welches neben der Offenen Arbeit ganzen Schulklassen im Rahmen von handlungsorientiertem Geschichtsunterricht seit 2005 die Möglichkeit gibt, temporäre Steinzeitprojekttage zu erleben, ausgehend von den im offenen Bereich gemachten Erfahrungen zum Thema Bronzezeitalter (2007) und der im Jahr 2008 als internationalen Jugendbegegnung (mit slowenischen und baskischen Kindern) unter dem Motto „YETI-Medival" erlebten Möglichkeiten historischer Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, ist es unsere Idee und unser Wille in Berlin Buch diesen neuen Abenteuerspielplatz, diese neue Jugendfarm zu eröffnen. Kooperiert wird bei unserenGeschichtsprojekten mit AGIL Büro für angewandte Archäologie in Lüneburg und dem Bau- und Geschichtsspielplatz „Roter Hahn“ in Lübeck. Buch bietet sich aus mehreren Gründen an: 1. Die Qualität der Offenen Arbeit mit Kindern in Buch wird derzeit im Wesentlichen durch die Arbeit in der Freizeiteinrichtung Würfel und den damit verbundenen Rahmenbedingungen (kommunale Trägerschaft, Zweckbau aus den 70er Jahren, kleine brachliegende Freifläche) bestimmt. Dies halten wir für veränderbar. 2. Die bestehende Kooperation mit der Grundschule am Sandhaus hat neue Möglichkeiten der Vernet-zung der Offenen Arbeit mit Kindern im Stadtteil aufgezeigt und eine Perspektive eröffnet, die mit der Grundschule und ihrem sich verändernden Konzept (bis hin zu den Entwicklungen in Bezug auf Ganztagsschulen) gemeinsam Aktivitäten für Kinder der 4. – 6. Klassen (sog. Lückekinder) entwickeln kann. Das halten wir für ausbaufähig. 3. Auf der ehemaligen Rieselfeldfläche an der S-Bahn Station Berlin-Buch werden derzeit archäologische Denkmäler ausgegraben. Es handelt sich um archäologische Siedlungsplätze verschiedener Epochen sowie ein eiszeitliches Verlandungsmoor (Moorlinse). Eine Projektgruppe von Inbitec e.V. und der Humboldtuniversität plant derzeit in Buch eine Forschungsstelle und Museum als Archäologie- und Paläoklimapark. Hier finden wir unseren thematischen Anknüpfungspunkt.
Unabhängig von der Realisierung des Archäoparkes soll nach unseren Ideen auf der landeseigenen Fläche des Grundstückes Wiltbergstr 29a, Flurstück 124, Flur 53 ein pädagogisch betreuter Spielplatz mit geschichtlichem Hintergrund entstehen. Wie bundesweit an verschiedener Stelle erprobt und in Lübeck seit mehreren Jahren funktionierend, können Rekonstruktionsbauten und ein Areal für experimentelle Archäologie als betreuter Geschichtsspielplatz betrieben werden. Die Zeitalter können dabei von Steinzeit bis Mittelalter reichen. Die Kinder lernen Handwerkstech-niken und historische Zusammenhänge in einem Freizeitort außerschulischer Bildung kennen. Die jugendhilferelevanten Ansätze reichen dabei von der Offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe, familienorientierten Angeboten bis hin zu Berufsorientierung und Berufsaus-bildung in Kooperation mit entsprechenden Betrieben und Trägern. Bildungspolitisch kann dieser Ort auch ein wichtiges Element für handlungsorientierten Geschichtsunterricht sein.
Der pädagogisch betreute Spielplatz
Historische, politische, ökologische Bildung in schulischen und außerschulischen Zusammenhängen wird in letzter Zeit sehr stark mit dem Wunsch verbunden, dieses mit all den neuen hochtechnologischen Medien zu verbinden. Computer- und Internetzugang für alle wird gefordert und ist im Wesentlichen umgesetzt. Alleinge-lassen, überfordert überschätzen sich Jugendliche, die mit 12 Jahren keinen Doppelknoten binden können, bei Castingshows oder Chatrooms, während die Verbindung des Hirns mit der Hand mehr und mehr verkümmert. Die Kinder begreifen nicht die Welt, sie beschauen sie im Fernsehen oder Internet, weil die Hand nicht mehr die Dinge anpackt, das Hirn deren Vieldimensionalität nicht „begreift“, die Zweidimensionalität des Bildschirms als das Eigentliche ansieht. Niemand hat mehr das Gefühl, Raum und Zeit zur Verfügung zu haben, um Erfah-rungswerte zu sammeln. Auch Fehler dürfen nicht mehr geschehen. Dabei sind Scheitern oder Fehler notwen-dige Voraussetzungen für Verbesserung.
In Lange, Lehmann (Hrsg.) Abenteuer erleben – Jugendfarmen und Aktivspielplätze als erlebnispädagogische Lernorte und soziale Erfahrungsräume, Lüneburg 2007 (Hier: Andraschko – Spielend lernen in Geschichte und Natur und Puhle, Thomas, Andraschko – Bau eines wikingerzeitlichen Langhauses auf dem Bau- und Ge-schichtsspielplatz Roter Hahn in Lübeck) sind die Möglichkeiten solcher Einrichtungen nachlesbar. “Die Umsetzung von Ergebnissen archäologischer Forschung, insbesondere von Experimenten, in Schulpro-grammen sowie Kinder- und Jugendfreizeiten hat sich in den letzten Jahren im musealen Bereich als ausge-sprochen fruchtbar erwiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichtsepochen kann bei der Behandlung archäologisch-historischer Themenkomplexe kaum auf schriftliche Quellen zurückgegriffen werden. Das Wissen um diese Zeiten muss deshalb mühsam aus verschiedenen Überresten rekonstruiert werden. … Experimente zu wirtschaftlichen und technischen Problemen führen oft weiter“ (als Anschauungsmodelle) „und sind in ihrer didaktischen Umsetzung zu wichtigen pädagogischen Bestandteilen der Museumsarbeit geworden. Eine konsequente Fortentwicklung dieser Konzepte ist der Transfer in den Bereich der Erlebnis-pädagogik. Hier bietet gerade der Bauspielplatz „Roter Hahn“ als Experimentierfeld für Spielen und Lernen in der Geschichte ein ideales Pilotprojektumfeld. Die Gegenstände und Materialien auf dem Platz sind gefahrlos anzufassen, können benutzt und verbraucht werden. Daraus ergeben sich zahlreiche Einsichts- und Lernmöglichkeiten für die Ge-schichte von Gegenständen der Sachkultur. Herstellung - Benutzung - Abnutzung - Reparatur - Umarbeitung - Abfall können von den Kindern, z.B. am Werkstoff Holz oder Eisen, in überschaubaren und selbstbestimmten Schritten nachvollzogen werden.“
Fünf Prinzipien des pädagogisch betreuten Spielplatzes werden Grundlage für unsere Arbeit sein: 1. Bedingungen schaffen: Von der Einrichtung werden Freifläche, Tiere, Räume und eine Vielfalt von Angebo-ten bereitgestellt. 2. Offenheit: Die Moorwiese ist eine offene Einrichtung. Es gibt keine Notwendigkeit, sich in festen Gruppen zusammenzuschließen. Der Besuch ist freiwillig, jeder kann in den Öffnungszeiten kommen und gehen, wann er will. Die allermeisten Angebote sind kostenlos. Offenheit bedeutet auch Flexibilität bezüglich der Angebote. Sie werden immer wieder auf die Interessen und Bedürfnisse der Besucher abgestimmt. 3. Betreuung: Der Platz wird kontinuierlich durch pädagogische Fachkräfte betreut. Die Betreuer organisieren die Angebote, stellen Materialien zur Verfügung, geben Anregungen, begleiten die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Tun und stehen als Ansprechpartner für alle Fragen zur Verfügung. Sie vermitteln die Grundregeln für die Nutzung des Platzes und den Umgang miteinander und handeln spezielle Regelwerke zusammen mit den Nutzern immer wieder neu aus. 4. Partizipation: Kinder und Jugendliche werden von den Betreuern nicht als Objekte erwachsener Bevormun-dung betrachtet, sondern als gleichberechtigte Menschen, die so weit als möglich in die Gestaltung des Platzle-bens und der Angebote mit einbezogen werden. 5. Gemeinwesenorientierung: Der Platz ist Spielort für Kinder und Jugendliche, die während der betreuten Öff-nungszeiten die Hauptnutzergruppe sind. Und er wird Lebens- und Kommunikationsstätte im Stadtteil, gerade in Nachbarschaft zur Grundschule am Sandhaus und vielleicht auch zum Archäopark, der vielfältige Möglichkeiten für Menschen aller Generationen bereithält. Unser Verein ist mit seinen Einrichtungen Abenteuerlicher Bauspielplatz Kolle37 (www.kolle37.de) und Jugendfarm Moritzhof (www.jugendfarm-moritzhof.de) Mitglied im Berliner Landesverband der pädagogisch betreuten Spieplätze AKIB, dem Bundesverband der jugendfarmen und Aktivspielplätze bdja und der Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg
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